D-MER: Wenn Stillen plötzlich negative Gefühle auslöst

Stillen ist für viele Frauen ein inniger, friedlicher Moment der Nähe mit ihrem Kind. Doch manche Mütter erleben beim Anlegen oder während des Milchspendereflexes (dem „Milcheinschuss“) das Gegenteil: plötzlich auftretende, starke negative Gefühle wie Traurigkeit, Angst, Ekel oder sogar Wut. Dieses Phänomen hat einen Namen: Dysphoric Milk Ejection Reflex (D-MER) also dysphorischer Milchspendereflex.

Was ist D-MER?

D-MER ist eine körperliche Reaktion, die ausschließlich in Verbindung mit dem Milchspendereflex auftritt. Es ist keine psychologische Erkrankungen, sondern ein rein hormonelles „Problem“.

  • Kurz bevor die Milch zu fließen beginnt, kommt es im Gehirn zu einem plötzlichen Abfall des Dopaminspiegels.
  • Dieser Abfall ist für den Milchfluss notwendig, doch bei manchen Frauen löst er intensive negative Gefühle aus.
  • Die Empfindungen dauern meist nur 30 Sekunden bis 2 Minuten an, verschwinden dann wieder und können beim nächsten Milchspendereflex erneut auftreten. Es kann aber auch einmalig sein und muss nicht bei jedem Milchspendereflex bzw. jeder Stillmahlzeit auftreten.

Wie fühlt sich D-MER an?

Die Gefühle sind individuell, aber viele Betroffene beschreiben:

  • tiefe Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit
  • innere Leere oder Einsamkeit
  • Nervosität, Angst oder Gereiztheit
  • manchmal Ekel oder Abneigung
  • Depression oder Wut

Wichtig: Diese Gefühle treten nur im Zusammenhang mit dem Milchfluss auf. Außerhalb des Stillens fühlen sich die Mütter meist ganz normal.

Warum ist D-MER wichtig zu kennen?

Viele Mütter, die D-MER erleben, denken zuerst:

  • „Mit mir stimmt etwas nicht.“
  • „Ich bin keine gute Mutter.“
  • „Ich will mein Baby vielleicht gar nicht stillen.“
  • „Wieso bin ich so wütend auf mein Baby“

Das kann Schuldgefühle, Scham und sogar Stillabbrüche verursachen, da viele Mütter nicht wissen, was los ist und diese Gefühle nicht länger aushalten.

Dabei ist D-MER keine psychische Erkrankung, kein Versagen und keine Ablehnung des Babys, sondern eine körperliche, hormonelle Reaktion.

Allein das Wissen darüber kann vielen Frauen enorm helfen.

Was kann man als Betroffene tun?

1. Wissen & Aufklärung

Verstehen, dass es eine körperliche Ursache hat, ist der erste und wichtigste Schritt. Viele Mütter fühlen sich sofort erleichtert, wenn sie erfahren, dass sie nicht allein sind. Leider sind diese Gefühle noch viel zu oft ein Tabu-Thema. Denn ja natürlich, welche Mutter möchte zugeben ihr Kind, welches sie abgöttisch liebt, plötzlich hasst oder sich davor ekelt.

2. Selbstfürsorge

  • Achtsamkeitsübungen, tiefe Atemzüge oder ein kleines Ritual beim Anlegen (z. B. Musik hören, Affirmationen) können helfen, die unangenehmen Minuten zu überbrücken.
  • Für manche Frauen hilft es, bewusst etwas Schönes bereitzuhalten (ein Getränk, ein Stück Schokolade, ein beruhigender Duft. Gerade Zitrusfrüchte können hier sehr gut helfen).
  • Viel Bewegung an der frischen Luft oder stillen am Fenster in der Sonne können helfen
  • Ebenso wird eine gute und ausgewogene Ernährung empfohlen.

3. Beobachten & Dokumentieren

Manche Frauen berichten, dass D-MER im Verlauf der Stillzeit schwächer wird oder nach einigen Monaten von allein verschwindet. Ein Tagebuch kann helfen, Muster zu erkennen. Bei einigen ist es auch Tagesform oder von der Tageszeit abhängig. Als das Wissen um den eigenen D-MER hilft durch diese Zeit zu kommen. Leider kann es auch nicht nur bei einem Kind auftreten, sondern auch in einer zweiten Stillzeit beim nächsten Baby. Kann, es ist kein Muss.

4. Professionelle Unterstützung suchen

Wenn die Gefühle sehr belastend sind oder das Stillen kaum noch möglich erscheint, ist es sinnvoll, sich Unterstützung bei einer IBCLC, einer Hebamme oder ggf. ärztlich zu holen.

Wie kannst du eine Mutter mit D-MER unterstützen?

Für Partner, Familie und Fachkräfte gilt:

  • Zuhören & ernst nehmen: Sag nicht „Das bildest du dir ein“ – D-MER ist real.
  • Entlastung anbieten: Übernimm andere Aufgaben, damit die Mutter beim Stillen weniger Stress hat.
  • Bestärken: Erinnere sie daran, dass diese Gefühle nicht ihre Schuld sind und nichts über ihre Bindung zum Baby aussagen.
  • Informieren: Hilf, seriöse Informationen und ggf. Fachpersonen zu finden.
  • Hier kann ich euch auch die Seite D-MER Info empfehlen

Fazit

D-MER ist noch wenig bekannt, aber für die betroffenen Frauen sehr real und oft belastend.

Das Wichtigste ist: Du bist nicht allein.

D-MER bedeutet nicht, dass du dein Baby nicht liebst oder keine gute Mutter bist. Es ist eine körperliche Reaktion und mit Aufklärung, Selbstfürsorge und Unterstützung kannst du einen Weg finden, damit umzugehen.

Als IBCLC und Doula begleite ich dich nicht nur bei klassischen Stillfragen, sondern auch bei besonderen Herausforderungen wie D-MER.

Wenn du merkst, dass dich Stillen emotional belastet, melde dich gerne, gemeinsam finden wir Strategien, die dir helfen.

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